Die Monitoring-Programme


Was ist „Monitoring“ und wofür ist es notwendig?      Wie kann ich beim Vogel-Monitoring helfen?

Die Monitoring-Programme

Es gibt in Rheinland-Pfalz verschiedene Erfassungsprogramme, die sich methodisch auf nationaler und internationaler Ebene bewährt haben. Die Beteiligung an diesen Programmen ist in Rheinland-Pfalz sehr unterschiedlich, vor allem bei den Brutvogelerfassungen bieten sich interessierten Beobachterinnen und Beobachtern noch vielfältige Möglichkeiten der Mitarbeit. Die zentrale Koordination der Erfassungsprogramme und die Leitung des Projekts liegt in den Händen von Dr. Christian Dietzen. Sie können aber auch Kontakt zu den Koordinatoren der verschiedenen Programme aufnehmen, die im Anschluss an die Programmbeschreibungen genannt sind.

Monitoring häufiger Brutvögel (MhB)
Hier geht es um kontinuierliche Bestandserfassung häufiger und weit verbreiteter Brutvogelarten in der Normallandschaft. Sowohl die Erfassung im Gelände als auch die anschließende Auswertung der Daten erfordert eine gewisse Erfahrung. Die Kartiererinnen und Kartierer müssen über sehr gute Artenkenntnisse verfügen, um die Erhebungen ordnungsgemäß durchzuführen. Anhand der hier gewonnenen Daten sind Aussagen zur Bestandsentwicklung der erfassten Brutvogelarten möglich. Voraussetzung ist eine ausreichend große Abdeckung der verfügbaren Probeflächen. Diese sind vom Statistischen Bundesamt festgelegt und gewährleisten eine repräsentative Abdeckung relevanter Lebensräume in Rheinland-Pfalz. Für eine zuverlässige Datenauswertung ist ein Vergabestand von 60–70 % wünschenswert, d. h. mind. 90 von derzeit 150 verfügbaren Probeflächen sollten in jedem Jahr erfasst werden, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Hier suchen wir dringend noch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Die Probeflächen umfassen jeweils exakt 1 km² und auf der Fläche erfolgt die Erfassung entlang einer zu Beginn festgelegten Route (im Mittel ca. 2–3 km Länge). Diese Route wird pro Jahr viermal in vorgegebenen Zeiträumen begangen, um die Vogelbestände zu erfassen. Pro Begehung ist ein Zeitaufwand von etwa zwei bis drei Stunden erforderlich. Im Optimalfall übernimmt der/die Bearbeiter/in die abschließende Auswertung eigenständig. In Ausnahmefällen kann die Projektkoordination bei der Auswertung unterstützen – sprechen Sie uns an! Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird nach Abschluss der jeweiligen Kartiersaison eine Aufwandspauschale gewährt.
Weitere Informationen zum MhB, inklusive verfügbarer Probeflächen in Rheinland-Pfalz und Möglichkeit der Anmeldung, gibt es hier. Das MhB in Rheinland-Pfalz koordiniert und betreut Peter Ramachers.

Monitoring seltener Brutvögel (MsB)
Dieses Programm widmet sich allen Arten, die im Rahmen des MhB nicht ausreichend zu erfassen sind, da sie eine deutlich eingeschränkte Verbreitung aufweisen (s. Liste). Das sind vor allem Koloniebrüter (z. B. Graureiher, Saatkrähe oder Uferschwalbe), Arten mit sehr großen Revieren (z. B. Greifvögel, Spechte), nachtaktive Arten (z. B. Waldschnepfe, Eulen, Nachtschwalbe) oder Arten mit sehr spezifischen und räumlich eng begrenzten Lebensraumansprüchen (z. B. Arten der Feuchtgebiete, Zaun- und Zippammer). Die Erfassung dieser Arten oder Artengruppen erfolgt ebenfalls möglichst alljährlich mittels spezifischer Methoden in festgelegten Zählgebieten, die der jeweilige Bearbeiter oder die Bearbeiterin in Rücksprache mit den Koordinatoren selbst festlegen kann. Je nach Kenntnis und Interessen können die Kartierer nur eine Art erfassen, bevorzugt sollten aber immer möglichst weitere MsB-Arten im selben Gebiet miterfasst werden. Je nach artspezifischer Notwendigkeit ist die Anzahl der Begehungen variabel (bei manchen Arten reicht eine Begehung aus, oft sind es 2–4). Umfangreiche Auswertungen im Anschluss an die Feldarbeit sind nicht erforderlich, in der Regel reicht die Meldung der Originaldaten an die Koordinationsstelle aus.
Aufgrund des begrenzten Artenspektrums pro Zählgebiet, können hier auch weniger erfahrene Beobachterinnen und Beobachter nach kurzer Einarbeitung erfolgreich mitarbeiten und ihre eigenen Kenntnisse weiter ausbauen. Weitere Informationen zum MsB finden Sie hier.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an die genannten Ansprechpartner oder direkt an den Projektkoordinator für das Vogelmonitoring in Rheinland-Pfalz (Dr. Christian Dietzen, christian.dietzen@gnor.de).

Monitoring rastendender Wasservögel (MrW)
Dieses Monitoring-Programm umfasst mehrere Bestandteile, von denen in Rheinland-Pfalz insbesondere die Wasservogelzählung (WVZ) relevant ist und eine lange Tradition hat. Erfasst werden hier rastende Wasservögel im weitesten Sinne (d. h. Schwäne, Gänse, Enten, Taucher, Reiher, Rallen, Limikolen und Möwen) in der Wintersaison an stehenden und an fließenden Gewässern. Jeweils in der Monatsmitte von September bis April erfolgt in jedem festgelegten Zählgebiet eine Erfassung. Die Zählgebiete sind einzelne Stillgewässer oder Teichanlagen sowie definierte Flussabschnitte. Neben Einzelpersonen können hier auch gut kleine Arbeitsgruppen die Zählung übernehmen. Eine Mitarbeit bietet sich vor allem entlang den größeren Flüssen an, wo die Aufteilung größere Flussabschnitte in kleinere Teilstrecken anzustreben ist. Eine gute Kenntnis der Arten und ihrer Alterskleider sollte vorhanden sein. Die Übermittlung der Daten erfolgt bevorzugt unmittelbar nach jeder Zählung oder am Ende der Zählperiode, eine tiefergehende Auswertung ist nicht erforderlich.
Weitere Informationen zur WVZ finden Sie hier oder kontaktieren Sie unseren langjährigen Wasservogel-Koordinator Thomas Dolich.

Programmsteckbrief

Wasservogelzählung ‒ Monitoring rastender Wasservögel (MrW)

Erfasste Art(en)

Entenvögel, Lappentaucher, Seetaucher, Kormorane, Reiher, Störche, Kranich, Rallen, Wat- und Möwenvögel sowie zusätzlich optional Seeadler, Rohr-, Kornweihe, Raufußbussard, Fischadler, Merlin, Wanderfalke, Sumpfohreule, Eisvogel, Bergpieper, Gebirgsstelze, Bartmeise, Wasseramsel, Raubwürger

Erforderliche
Kenntnisse

Gut, sichere optische Bestimmung der Zielarten, Fähigkeit und Geduld zum Auszählen von Rastbeständen (gemeinschaftliche Durchführung möglich)

Methode

Zählung der Individuenanzahl anwesender Arten im Zählgebiet

Zählgebiete

Frei wählbar (Gewässer)

Anzahl Kontrollen

8‒12 × pro Saison (tagsüber), mind. 1 × monatl. Sept.‒Apr., optional ganzjährig (1 × monatl. Aug.‒Jul.)

Erfassungszeitraum

Monatsmitte Sept.‒Apr. (optional Aug.‒Jul.)

Erfassungsdauer

Meist 2‒4 h (je nach Gewässergröße und -einsehbarkeit)

Datenmeldung

Übermittlung der Tagessummen per App, PC oder E-Mail/Telefon

Teilnehmer/-innen gesucht

Ja, ausgewählte oder neue Standorte (bitte kontaktieren Sie den Koordinator)

Ansprechpartner

Thomas Dolich (thomas.dolich@gmx.de)

Schlafplatzzählungen Kormoran
In Anbindung an die WVZ erfolgt die Erfassung der winterlichen Kormoran-Rastbestände im Zuge synchroner Schlafplatzzählungen ebenfalls in der Monatsmitte von September bis April. Durch die Abschüsse von Kormoranen kommt es immer wieder zu Umsiedlungen, da die Vögel einerseits bekannte Schlafplätze aufgeben und andererseits neue entstehen. Vertiefte Artenkenntnisse sind nicht erforderlich, die Lage des Zählgebietes ist an die Schlafplatzstandorte gebunden. Wenn Sie einen neuen Schlafplatz entdecken oder sich generell an den Zählungen beteiligen möchten, steht der Koordinator Thomas Dolich für Ihre Fragen zur Verfügung.

Programmsteckbrief Kormoran-Schlafplatzzählung
Erfasste Art(en) Kormoran
Erforderliche
Kenntnisse
Gering, sichere optische Bestimmung des Kormorans, Fähigkeit und Geduld zum Auszählen von Schlafplatzansammlungen
Methode Zählung der Individuenanzahl am Schlafplatz
Zählgebiete Definiert durch Lage der Schlafplätze
Anzahl Kontrollen 8 × pro Saison (abends)
Erfassungszeitraum Monatsmitte Sept.‒Apr. (Termin Wasservogelzählung)
Erfassungsdauer 30‒60 Min. pro Zählung
Datenmeldung Übermittlung der Gesamtanzahl per App, PC oder E-Mail
Teilnehmer/-innen gesucht Ja, ausgewählte oder neue Standorte (bitte kontaktieren Sie den Koordinator)
Ansprechpartner Thomas Dolich (thomas.dolich@gmx.de)




Was ist „Monitoring“ und wofür ist es notwendig?      Wie kann ich beim Vogel-Monitoring helfen?

Wie kann ich beim Vogel-Monitoring helfen?

Was ist „Monitoring“ und wofür ist es notwendig?      Die Monitoring-Programme

Wie kann ich beim Vogel-Monitoring helfen?

Somit können und sollen alle Personen, die gerne Vögel beobachten und zählen, einen ganz wichtigen Beitrag für Erhalt und Schutz unserer heimischen Vogelarten beisteuern. Die Erfassungsmodule sind deutschlandweit etabliert und mit dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) abgestimmt. Aufgrund der Vielzahl der Erfassungsprogramme, die nachfolgend kurz vorgestellt werden, kann sich grundsätzlich jede Beobachterin und jeder Beobachter, unabhängig von bisherigen Erfahrungen mit Vogelerfassungen, am Monitoring beteiligen und einen ganz entscheidenden Betrag leisten. Geplant ist es, die Daten an zentraler Stelle zusammenzutragen, aufzubereiten und anschließend in vorausgewerteter Form für alle Belange des Arten- und des Naturschutzes verfügbar zu machen, damit alle Beteiligten ihre Positionen und Entscheidungen anhand einer einheitlichen, fundierten Datengrundlage vertreten können – ganz im Sinne des Vogelschutzes.

Interessentinnen und Interessenten an der Mitarbeit bei einem der Erfassungsprogramme sind gebeten sich mit der Projektleitung in Verbindung zu setzen (Dr. Christian Dietzen). Melden sollten sich auch all jene, die bereits langjährige Erfassungsreihen durchführen, um zu prüfen, ob und wie sich die Daten ggf. in die Trendberechnungen einbinden lassen und damit deren Aussagekraft verbessern.

Was ist „Monitoring“ und wofür ist es notwendig?

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Was ist „Monitoring“ und wofür ist es notwendig?

Monitoring von Tier- und Pflanzenarten dient der langfristigen regelmäßigen Erfassung der Bestände, um deren Entwicklungen zu bestimmen und zu verfolgen. Daher sind Monitoring-Daten ein ganz wesentlicher Grundbaustein für den Arten- und für den Lebensraumschutz, weil sie

  • helfen den Erhaltungszustand von Arten, Natur und Landschaft zu bestimmen,
  • als Frühwarnsystem im Artenschutz dienen,
  • die Datengrundlage für vielfältige Indikatoren liefern,
  • helfen Schutzbedarf zu erkennen sowie Schutzkonzepte zu entwickeln und auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und
  • sie sind Grundvoraussetzung für die Erfüllung internationaler Naturschutzübereinkommen (z. B. Vogelschutzrichtlinie).

Derzeit fördert das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz (MUEEF) ein Pilotprojekt „Aufbau und Etablierung des Vogel-Monitorings in Rheinland-Pfalz in den Jahren 2018–2019“ im Rahmen der „Aktion Grün“. Zwar hat die Erfassung von Vogelbeständen eine lange Tradition in Rheinland-Pfalz, doch fehlt es an einer tragfähigen Koordination, um allen o. g. Anforderungen gerecht zu werden. Ziele des Projekts sind Entwicklung, Auf- und Ausbau einer angemessenen Organisationsstruktur des Vogel-Monitorings unter Einbeziehung des Ehrenamts, um allen relevanten Institutionen (Naturschutzverbände, Behörden), die sich im Artenschutz engagieren oder damit auseinandersetzen müssen, zuverlässige Informationen zum Erhaltungszustand einheimischer Vogelarten bereitzustellen. Ohne ehrenamtliche Unterstützung ist ein umfassendes Vogel-Monitoring nicht umsetzbar. Aber ohne Vogel-Monitoring fehlt es Naturschützern, Politikern und Interessenvertretern an verlässlichen Informationen, um Risiken und Auswirkungen von Eingriffen richtig einzuschätzen, Schutzbedarf zu erkennen und effiziente Schutzmaßnahmen zu entwickeln. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind ältere Daten schon bald überholt und eignen sich nicht als Entscheidungsgrundlage. Deshalb benötigen wir – vor allem aus Sicht des Naturschutzes – kontinuierliche Datenerhebungen, um Arten- und Lebensraumschützer in ihren Bemühungen zu stärken, worauf das aktuelle Projekt ausgerichtet ist.

Organigramm
Der geplante Aufbau eines gemeinsamen Datenpools aus dem Vogel-Monitoring soll Naturschutzverbänden, Behörden und Interessenvertretern eine einheitliche und zuverlässige Datengrundlage für den Arten- und für den Lebensraumschutz bereitstellen, so dass alle Beteiligten auf Augenhöhe im Sinne des Naturschutzes agieren können.

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